Jubiläumsfeier im ISK
Jubiläumsfeier im ISK

Am 26. August 2017 fand die große Jubiläumsfeier des ISK mit einem offiziellem Festakt und anschließendem Abendprogramm statt.

Edelgard Bulmahn

Sehr geehrter Herr Heymann, sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Zum 20-jährigen Bestehen des Instituts für Sprachen und Kommunikation gratuliere ich Ihnen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts und allen, die an der erfolgreichen Arbeit des Instituts mitgewirkt haben oder mitwirken, ganz herzlich!

Als das ISK 1997 gegründet wurde, war es keineswegs ausgemacht, dass aus der Initiative von Gerd Heymann und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern eine der größten Sprachschulen in Hannover entstehen würde. In der Gründungs- und Aufbauphase waren Einsatz, Kreativität und Leidenschaft gefragt – und darüber hinaus sogar die Bereitschaft, für die eigene Arbeit auf ein Entgelt –zumindest vorläufig – zu verzichten. Unzählige Arbeitsstunden der ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden gestundet. Ohne dieses Engagement für die Sache und ohne das Hintenanstellen der eigenen Ansprüche in dieser frühen Phase würde es das ISK in der heutigen Form nicht geben. Dafür möchte ich Ihnen noch einmal ganz besonders danken.

Heute lernen am ISK jährlich mehr als 1.500 Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer an vier Standorten in der Innenstadt von Hannover Deutsch. 35 feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und über 40 freie Dozentinnen und Dozenten lehren, beraten und ermutigen Lernende aus der ganzen Welt. 

Ob die Deutsch-Standardkurse, die Integrations- und Flüchtlingskurse, die Kurse im Bereich der beruflichen Bildung oder die besonderen Kurse für Menschen mit belastenden Fluchterfahrungen, die auch eine besondere psychologische Unterstützung brauchen – bei allen Angeboten des ISK stand und steht immer der Mensch im Mittelpunkt, ganz gleich welche Herkunft, welche Hautfarbe, welche Religion oder welchen Bildungsstand er hat. 

Sie, meine sehr geehrten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ISK, engagieren sich dafür, dass Menschen, die nach Deutschland kommen, die deutsche Sprache lernen und die deutsche Kultur kennenlernen – und damit auch eine Chance haben auf eine Integration in den Arbeitsmarkt, auf soziale und kulturelle Teilhabe, also die Chance bekommen, ihr Leben in Deutschland (neu) aufzubauen und sich als Mitglied unserer Gesellschaft einzubringen, in Vereinen, in der Nachbarschaft, in der Gemeinde. Das ISK steht dabei nicht nur für Qualität im Unterricht, sondern auch für Toleranz und Respekt im Umgang miteinander und für ein weltoffenes Deutschland.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Deutschland ist ein Land der Vielfalt. Migration ist ein selbstverständlicher Teil unserer Geschichte. Wir waren ein Auswandererland und sind jetzt seit langem Einwanderungsgesellschaft, auch wenn manche das noch immer nicht wahrhaben wollen. 

Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch hat diesen Widerspruch in einem unübertrefflichen Satz auf den Punkt gebracht: „Wir haben Arbeitskräfte gerufen und gekommen sind Menschen.“ Es hat bis zur Jahrtausendwende gedauert, bis mit der rot-grünen Bundesregierung auch die überfällige politische Richtungsänderung vollzogen wurde. Das überfällige Einwanderungsgesetz, das wir vorgeschlagen hatten, scheiterte an der schwarz-gelben Bundesratsmehrheit und leider müssen wir noch heute dafür kämpfen.

Seit zwei Jahren ist die Debatte um Integration einem harten Stresstest ausgesetzt. Die Herausforderung, die durch die hohe Zahl von Schutzsuchenden entstanden ist, hat den Fokus ziemlich verrückt. Wir mussten uns um Unterbringung, um Schul- und Kitaplätze, um bürokratische Verfahren und um Sprachkurse für Geflüchtete kümmern. Vieles andere ist dabei in den Hintergrund gerückt. 

Den Zusammenhalt zu wahren, ist eine zentrale politische Aufgabe und zugleich ein kontinuierlicher Auftrag. Das gilt natürlich auch für alle, die neu in unser Land kommen. Hier müssen wir Wege finden, damit Einwanderer einen schnellen Einstieg finden – egal, ob sie bei uns Schutz suchen oder Arbeit.

Es reicht nicht zu sagen „wir schaffen das“. Man muss dann auch die Voraussetzungen schaffen, damit das gelingt. Ohne die tausenden Ehrenamtlichen und die Kommunen, die sich teilweise weit über ihre Belastungsgrenzen engagiert haben, wäre unser Staat in den letzten Jahren an dieser Aufgabe gescheitert.

Es sind heute viele unter Ihnen – wenn nicht die große Mehrzahl – die sich von Berufswegen und oft über das Normalmaß hinaus engagiert haben, die geholfen haben, sei es im Sprachunterricht, sei es in einer Flüchtlingsunterkunft, durch Begleitung bei Behördengängen oder durch tägliche Unterstützung und Hilfe.

In den vergangenen beiden Jahren haben die helfenden, engagierten Menschen in Deutschland bewiesen, dass sie Willy Brandts Credo: „Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein“ auch für jene Menschen gelten lassen, die in unser Land kommen.

Bürgerschaftliches Engagement ist ungemein wichtig, weil es Einstellungen von vielen prägt. Es gibt Orientierung auch für diejenigen, die sich nicht beteiligen. Und es ist der Kitt jeder Gesellschaft. Aber gleichzeitig muss der Staat seine Handlungsfähigkeit beweisen, gleichzeitig benötigen wir eine klare politische Strategie, die Einwanderung ermöglicht und Integration gewährleistet. 

Hierfür brauchen wir erstens ein stabiles und solidarisches System, das Einwanderung und Schutz vor Verfolgung klar und verlässlich regelt. Flucht und Zuwanderung sind nicht allein ein griechisches oder ein italienisches oder ein deutsches Problem. Die Flüchtlingsfrage stellt sich für ganz Europa. Kein Land kann dauerhaft alle Flüchtlinge, die zu uns kommen, alleine aufnehmen. Wir brauchen deshalb eine neue Solidarität in Europa, damit die Menschen, die Schutz bei uns suchen, unter allen EU-Staaten gerecht aufgeteilt werden. 

Zweitens brauchen wir eine bessere Politik der Fluchtursachenbekämpfung. Dazu gehört nicht nur eine Entwicklungspolitik, die Hilfe zur Selbsthilfe ist, sondern auch die Herrschenden in den jeweiligen Staaten in die Verantwortung nimmt. Eine solche Entwicklungspolitik muss verknüpft sein mit Sicherheits-, Außen-, Handels- und Umweltpolitik.

Wenn wir dieser Mammutaufgabe gerecht werden wollen, müssen wir dafür neben der finanziellen auch die institutionellen und organisatorischen Voraussetzungen schaffen. Eine Sonderbeauftragte im Kanzleramt reicht dabei nicht. Die Zuständigkeiten für Migration und Integration in der Bundesregierung sind heute auf zu viele Ministerien verteilt.

Wir sollten diese Zuständigkeit ministeriell bündeln und künftig an ein starkes Fachministerium andocken. Das kann das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sein oder auch das Familienministerium. Ein Ministerium jedenfalls, das diesem wichtigen Zukunftsthema deutlich mehr Gewicht und Bedeutung garantiert. Ein Ministerium, das über die entsprechenden Mittel und den politischen Willen verfügt, um dieser wichtigen Zukunftsaufgabe gerecht zu werden. 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Deutschland ist ein Einwanderungsland, wir sind eine Einwanderungsgesellschaft. In einem Einwanderungsland ist Integration der Schlüssel für sozialen Zusammenhalt. Und der Schlüssel für Integration ist vor allem die Sprache. Deshalb freue ich mich, heute mit Ihnen das 20-jährige Jubiläum des Instituts für Sprachen und Kommunikation zu feiern. Denn hier wird das geleistet, was für mich selbst Leitlinie meines Handelns war: Menschen Chancen zu eröffnen, sie zu befähigen, aus eigener Kraft, ihr Leben zu gestalten.

Soziale und kulturelle Teilhabe sind wichtige Ziele Ihrer Arbeit. Das zeigt sich schon am Institutsprogramm. Das ISK bietet nicht nur den Erwerb der Sprachkenntnisse zu den Unterrichtszeiten, sondern darüber hinaus ein Kultur- und Freizeitprogramm, mit dem soziale Integration und kulturelle Teilhabe ganz unmittelbar, ganz konkret und ganz persönlich verwirklicht wird. Ob in Kunst- oder Fotoprojekten, bei gemeinsamen Ausflügen und Exkursionen, auf dem Weihnachtsmarkt oder beim Kegeln: Offenheit und Mitmenschlichkeit werden im ISK großgeschrieben. 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, 

Ihnen allen und stellvertretend für alle Herrn Heymann möchte ich meinen ganz besonderen Dank für dieses außerordentliche Engagement zum Ausdruck bringen. Die Professionalität, die Qualität an Ihrer Schule, aber gerade eben auch die gelebte soziale und kulturelle Teilhabe, Begegnung und der Dialog an Ihrem Institut sind die wertvolle Basis für eine gelingende Integration. 

Haben Sie dafür ganz herzlichen Dank – und machen Sie weiter so, mindestens für die nächsten 20 Jahre!

Doris Schröder-Köpf

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Besucherinnen und Besucher der Internetseite des Instituts für Sprachen und Kommunikation e.V. in Hannover,

Sprache ist der Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe. Wer die Sprache des Landes, in dem er lebt, nicht kennt, wer sich nicht verständigen kann, der fühlt sich ausgeschlossen und weiterhin fremd. Sprachinstitute wie das Institut für Sprachen und Kommunikation e.V. in Hannover (ISK) leisten somit einen enorm wichtigen Beitrag nicht nur bei der sprachlichen, sondern auch bei der kulturellen und sozialen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Insbesondere vor dem Hintergrund der vielen Menschen, die in den vergangenen zwei Jahren aus den Kriegs- und Krisengebieten der Welt zu uns geflüchtet sind und weiterhin fliehen, wird dies noch einmal mehr als deutlich. Niedersachsen braucht vielfältige Angebote an Sprachinstituten wie die des ISK, damit Integration überhaupt gelingen kann.

Das Institut für Sprachen und Kommunikation e.V. leistet hierbei als Anbieter von Sprachkursen und Berufsqualifizierungsangeboten einen ganz erheblichen Beitrag. Vor 20 Jahren gegründet, ist das Institut heute zu einem mittelständischen Unternehmen mit drei Standorten, insgesamt 45 Angestellten und mehr als 35 freien Dozenten herangewachsen. Nach der Anerkennung als Integrationskursträger 2005 folgten das lizenzierte Testzentrum telc und TestDaF sowie die Zertifizierung nach LQW 3 und AZAV. Das ISK zeichnet sich aber nicht nur durch hohe Qualitätsstandards aus. Auch Kriterien der interkulturellen Kompetenz und Geschlechtergerechtigkeit werden vorbildlich eingelöst. Bisher haben bereits mehr als 20.000 Menschen aus der ganzen Welt Deutsch im ISK gelernt.

Das Institut für Sprachen und Kommunikation ist für Hannover und die Region eine große Bereicherung und wichtige Stütze bei der Integration unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund. Dem ISK und seinem gesamten Team wünsche ich viele weitere erfolgreiche Jahrzehnte für die Integration und Teilhabe in Niedersachsen.

Regine Kramarek

Sehr geehrte Frau Bulmahn, sehr geehrte Frau Ostmeyer, sehr geehrter Herr Heymann, sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ISK, liebe Freunde und Gäste,

meinen kurzen Festbeitrag möchte ich beginnen mit einem Zitat von Kurt Tucholsky, das lautet:

„Wer auf andere Leute wirken will, der muss erst einmal in ihrer Sprache mit ihnen reden“.

Dass Sie in Ihren 20 Jahren Sprachschule mehr als 20.000 Menschen diese Möglichkeit des Wirkens vermittelt haben, verdient allerhöchsten Respekt, Dank und Glückwunsch!

Den überbringe ich Ihnen heute im Namen der Landeshauptstadt natürlich sehr gerne und bedanke mich für Ihre Einladung an unseren Oberbürgermeister, den ich heute vertreten darf.

Das Vermitteln einer Sprache und auch das Erlernen einer Sprache – beides – kann man in weitestem Sinne als einen Beitrag zur Völkerverständigung sehen; also über das Ziel des Spracherwerbs zwecks Kommunikation und die sich ergebenden beruflichen Perspektiven hinaus. Das ist wunderbar und passt gut zu unserer internationalen Stadt Hannover, die Sie übrigens in Ihrem Jubiläumsprogramm so hervorragend komprimiert vorgestellt und schmackhaft gemacht haben, wie ich es bisher noch nicht erlebt, bzw. gelesen habe.

Ja, Hannover ist ein guter Ort, um die deutsche Sprache zu lernen, wegen der Qualität des Deutschs, das hier gesprochen wird. Aber auch alle anderen Sprachen werden hier vermittelt und gesprochen. Nicht nur durch 10 Hochschulen mit internationalen Studierenden, sondern auch als Wissenschaftsstandort, Messe- und Konferenzstadt und als Zufluchtsort für Geflüchtete bieten wir hier über 180 Kulturen eine Heimat und dank vieler Sprachschulen auch die Möglichkeit, hier bestmöglich die Sprache zu erlernen und sich zu integrieren oder mit der erlernten Sprache in der eigenen Kultur den wirtschaftlichen Dialog mit Deutschland zu befördern.

Viele Menschen, denen ich begegne, sprechen 2 oder mehr Sprachen. Das bewundere ich zutiefst, bin ich doch selbst eine, die sich mit dem Erlernen einer Sprache immer schwer getan hat. Gerade Kinder und Jugendliche wachsen in unserer vielfältigen Welt oft mehrsprachig auf, lernen dann noch in der Schule vielleicht eine dritte Sprache und haben somit schon eine Grundlage für den internationalen Dialog, wie ich das niemals mehr erreichen würde. Unter Geflüchteten begegne ich schon mal welchen, die aufgrund ihres Fluchtweges 6 oder 8 Sprachen sprechen. Da fällt mir dann immer ein Zitat von Jean-Paul Belmondo ein, das heißt: „Auch ein Mensch, der zwanzig Sprachen beherrscht, gebraucht seine Muttersprache, wenn er sich in den Finger schneidet.“

Die ist natürlich immens wichtig und trotz aller Integrationsbemühungen nicht zu vernachlässigen, denn die kulturellen Wurzeln sind verantwortlich für Stabilität auf dem Weg durch unsere global ausgerichtete Welt.

Ihre Sprachschule ist eine der größten in Hannover und ich muss Ihnen selbst nicht erzählen, wie gut Sie aufgestellt sind. Örtlich, inhaltlich und technisch sind Sie beispielhaft ausgestattet und man kann Sie auch hier beglückwünschen.

Wir sind sehr glücklich, Sie in der Stadt zu wissen und verstehen Sie als Partner in dem gemeinsam anvisierten Ziel, das gegenseitige Verständnis der Kulturen und Menschen zu ermöglichen.

Hannoversche Unternehmen, die europa- und weltweit agieren, sind auf mehrsprachige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen. Deshalb ist Ihr Angebot auch für uns mehr als aktuell und ich bedanke mich für Ihre wertvolle Arbeit.

Für Ihr Unternehmen weiterhin viel Erfolg, viele Teilnehmer*innen in den nächsten Jahren und viel Spaß bei der heutigen Jubiläumsfeier.

Gerd Heymann

Sehr geehrte Frau Bulmahn, sehr geehrte Frau Kramarek, liebe Gäste, liebe Freunde,

ich freue mich sehr, dass heute so viele Gäste hier sind und wir diese 20 Jahre gemeinsam feiern. Ich habe lange überlegt, ob wir so ein großes Fest machen wollen, weil es im Alltag, Sie kennen das alle, sehr schwierig ist, einen Punkt zu setzen und zu sagen, ja, wir wollen jetzt feiern, ja, wir wollen uns die Zeit nehmen, ja, wir wollen uns das Geld nehmen und ja, wir wollen das machen.

Es waren schwierige Zeiten und ich habe trotzdem gesagt, es ist wichtig, so einen Punkt zu setzen, sich zurückzulehnen und zu überlegen: Was haben wir eigentlich geschafft in den letzten 20 Jahren?

Ich komme auch gleich nochmal auf die warmen Worte von Frau Bulmahn und Frau Kramarek zurück, die gutgetan haben, auch auf die ein oder andere Meinungsverschiedenheit. Zu lang will ich es aber nicht machen, denn wir wollen ja auch essen und Musik hören.

1997, was war da eigentlich los?

Es gab noch kein Zuwanderungsgesetz. Helmut Kohl war Bundeskanzler. Borussia Dortmund hat die Champions League gewonnen. Hannover 96 hat in der Regional Liga Nord gespielt. Ich hatte noch keine grauen Haare. Und wir haben das ISK gegründet. Und das war nicht einfach.

Frau Bulmahn hat es schon angesprochen. Es gab eine Vorgängergesellschaft, die Gesellschaft für Jugendberufshilfe e.V., die 1978 gegründet wurde. Das war ein Verein, eine Initiative mit sehr viel Engagement, vielen Sozialarbeitern und gesellschaftlich engagierten Menschen. 

1990 habe ich als Dozent für Deutsch als Fremdsprache angefangen, dort zu arbeiten. Ich selbst habe dort eine ABM Stelle, eine „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“ bekommen. Und dieser Verein stand kurz vor der Insolvenz. Ich habe kein Gehalt mehr bekommen und alle freiberuflichen Dozenten kein Honorar.

Und die große Frage war, was machen wir? Werden wir arbeitslos? Fügen wir uns dem Ganzen? Oder ergreifen wir die Initiative?

Ich habe mich dazu entschlossen, trotz vieler Warnrufe, ich glaube sie waren zahlreicher und lauter als die, die gesagt haben „Probiere es!“ , den Verein zu gründen. Wie macht man so etwas ohne einen Pfenning Geld?

In dieser Zeit habe ich mit allen gesprochen, die dort gearbeitet haben und 90% der Dozenten und Mitarbeiter haben tatsächlich gesagt: „Wir geben euch unser Gehalt und unser Honorar, das wir nicht bekommen haben als Darlehen, um diesen Verein zu gründen.“

Wir haben mit diesem wenigen Geld und dem Geld von einem Freund, der uns Geld geliehen hat, angefangen. Wir sind mit diesem wenigen Geld gestartet und haben von Woche zu Woche, von Monat zu Monat, von Quartal zu Quartal, von Jahr zu Jahr geplant. Mittlerweile denken wir nicht mehr von Jahr zu Jahr – die Planungsunsicherheit ist zwar immer noch da – sondern in etwas größeren Zeiträumen.

Wir haben es in dieser Zeit geschafft, dass über 20.000 Menschen bei uns gelernt haben. Der Opernplatz wäre mit allen Teilnehmern sicher gut gefüllt. Das Ganze war nur möglich, weil wir so engagierte und tolle Mitarbeiter hatten. Seit 1997 haben über 300 Menschen bei uns gearbeitet und ich kann sagen, dass es unter den Mitarbeitern und Dozenten wirklich nur eine Handvoll Personen gab, bei denen es auch mal Probleme gab. Der überwiegende Teil unserer Mitarbeiter war sehr motiviert, sehr engagiert und mit voller Leidenschaft jeden Tag dabei. Das war für mich der eigentliche Grund, diese Jubiläumsfeier für unsere Mitarbeiter, für alle, die im ISK gearbeitet haben – manche nur ein paar Monate, manche ein paar Jahre und viele glücklicherweise immer noch – zu organisieren.

Ich möchte mich bei allen ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern des ISK ganz herzlich bedanken – ohne euch wären wir nicht das, was wir heute sind.

Jeder der mich kennt weiß, dass ich mich nicht scheue, auch kritische Dinge zu sagen. Als es um die Redebeiträge ging, habe ich die eine oder andere Forderung aus meiner Sicht formuliert und aufgeschrieben. Ich möchte jetzt nicht auf alle kritischen Punkte eingehen,  das könnte man sicherlich besser bei einem Glas Wein miteinander besprechen und diskutieren. Aber ein paar Dinge möchte ich doch dazu anmerken.

Dass es uns hier gibt, ist wirklich der Arbeit aller Mitarbeiter mit ganz viel Engagement, mit ganz viel Gehalts- und Lohnverzicht zu verdanken, gerade im Vergleich zu anderen Berufsgruppen und natürlich mit ganz viel Durchhaltevermögen.

Wir haben viele Phasen gehabt, in denen man nicht wusste, wie geht es weiter? Aber wir sind uns immer treu geblieben. Wir haben immer gesagt, die Vermittlung von Deutsch, die Integration von Menschen, das ist das, was wir können und, ich sage das jetzt mal einfach: Das können wir verdammt gut!

Wir haben natürlich auch immer mal rechts und links geschaut, haben uns gefragt, ob wir andere Dinge machen sollen, auch aufgrund der Planungsunsicherheit. Aber am Ende haben wir gesagt, wir machen das, was wir am besten können.

Und wenn Sie zurückdenken, wie das vor 20 Jahren war oder selbst noch vor 10 Jahren, da war es so, dass das Thema Migration und Flüchtlinge für die meisten großen Bildungsträger ein Randthema war, das man mitmacht, um diesen Effekt der Zielgruppe mitzunehmen, aber das war kein Thema, das große Bildungsketten interessiert hat.

Wir wurden teilweise ein wenig belächelt, mit dieser Zielgruppe zu arbeiten. Wenn wir zurückdenken an die sogenannten Gastarbeiter, mit denen wir schon gearbeitet haben, bis hin zu dem Begriff „Menschen mit Migrationshintergrund“, dann war diese gesellschaftliche Wandlung vor 20 Jahren nicht vorstellbar.

Wir haben von Anfang an mit diesen Menschen gearbeitet und wir werden das auch in Zukunft machen. Erst als mehr Geld für diese Zielgruppen am Bildungsmarkt war und für einige Ketten dann erkennbar war, vielleicht auch etwas vom Kuchen abzubekommen, haben sich auch andere Bildungsträger in dieses Metier gestürzt.

Was wir versucht haben, ist eben nicht nur die gute Arbeit, die gute Qualität nach außen zu geben, sondern auch zu versuchen – und das ist nicht einfach – diese Werte nach innen zu leben. Für mich ist es der größte Anreiz nach innen zu meinen Mitarbeitern ein Wertesystem zu entwickeln, das auf Fairness, auf Kooperation und auf Transparenz beruht.

Diese Werte möchten wir auch an unsere Teilnehmer weitergeben. Es war und ist nicht so einfach, das umzusetzen, gerade vor dem Hintergrund, dass es im Vergleich zu anderen Berufsgruppen relativ geringe Gehälter gibt. Keiner, der reich werden möchte, arbeitet in der Erwachsenenbildung, in der Bildungsbranche. Das hat etwas damit zu tun, dass es die entsprechende Lobby nicht gibt und das hat auch etwas damit zu tun, dass es die entsprechende gesellschaftliche Anerkennung nicht gibt. Gerade für den Bereich der Arbeit mit Migrantinnen und Migranten wächst das erst in den letzten Jahren.

Wir haben es trotzdem geschafft und sind mittlerweile innerhalb der Bildungsträger ein attraktiver Arbeitgeber geworden. Wir haben einen eigenen Haustarif entwickelt, der transparent ist und mit allen Mitarbeitern entwickelt wurde. Wir haben ein Organisationsmodell im ISK entwickelt mit einem Führungsteam, Projektleitern, Projektassistenten, Dozenten und pädagogischen Mitarbeitern und Rahmbedingungen geschaffen – und das ist für uns immer das Wichtigste – die gutes Lernen und gutes Lehren möglich machen.

Und das haben wir, auch mit Blick auf die Räumlichkeiten und die technische Infrastruktur an allen Standorten, ganz gut hinbekommen. Natürlich nur mit Hilfe von allen Mitarbeitern und dazu zählen, möchte ich in diesem Zusammenhang erwähnen, auch alle unsere Dienstleister. Wir haben ganz tolle Handwerker, mit denen wir seit vielen Jahren zusammenarbeiten, mit manchen gibt es eine fast bereits eine 10 bis 15-jährige Zusammenarbeit. Ob es die EDV ist, ein Getränkelieferant oder ob es die Menschen sind, die hier für uns putzen.

Also, ich will sagen, wir versuchen diese Fairness, diese Kooperation und diese Werte, die wir vermitteln, eben nicht nur nach außen zu vermitteln, sondern auch nach innen zu leben. Dass das nicht immer gelingt, dass mache Leute unzufrieden sind, dass es auch mit mir nicht immer einfach ist, auszukommen – das ist klar, keine Frage. Aber ich glaube, wer uns kennt oder schon länger bei uns arbeitet und sich ernsthaft mit uns auseinandersetzt, der kann das bestätigen.

Ja, ich könnte jetzt noch lange erzählen, ich will jetzt nicht ins Reden kommen – wir sind jetzt alle gespannt, was als nächster Programmpunkt kommt. Und deswegen möchte ich jetzt zum Abschluss kommen und uns allen einen schönen Abend im ISK wünschen.

Vielen Dank!

1997 - 2017 – 20 Jahre ISK-Jubiläumsfeier: Tolle Redner, viele Gäste, leckeres Essen, schöne Musik, Zaubereien und eine Geburtstagstorte. Zum offiziellen Festakt gab es Grußworte von Frau Kramarek, der stellvertretenden Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Hannover und von Frau Schröder-Köpf, der Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe des Landes Niedersachsen sowie Reden von Gerd Heymann, dem Geschäftsführer des ISK und von Frau Bulmahn, der Vizepräsidentin des deutschen Bundestages: „Die Professionalität, die Qualität an Ihrer Schule, aber gerade eben auch die gelebte soziale und kulturelle Teilhabe, Begegnung und der Dialog an Ihrem Institut sind die wertvolle Basis für eine gelingende Integration.“