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Integrationskurse – Theaterprojekt
Frage: Deutschland: Ein Spiel in Quizform. 2 Stühle
Wer fragt?
Wer ist der Boss?
Wer bekommt einen Platz?
Wer hat den meisten Platz?
Wer passt zusammen?
Wer sagt: Stopp?
Ziel des Projektes ist es, in mehreren Schritten eine Theatergruppe am ISK zu etablieren. Hierzu werden gruppendynamische Übungsformen, einfache Sprachübungen und gestisch-mimische Arbeiten in einer ersten Stufe des Projektes umgesetzt. Die noch neu am Institut lernenden MigrantInnen werden vor allem spielerisch abgeholt. Im Laufe des Projektes werden verschiedene Übungsformen wiederholt, variiert und zu kleinen Sequenzen verdichtet. In diesem zweiten Schritt, geht es darum, den Teilnehmern Raum zu geben, um eigene Assoziationen mit den noch abstrakten Arbeiten zu verbinden. Die Frage: Wo gibt es ähnliche Steuerungsprozesse von Einzelnen bzw. Gruppen leitet zu individuellen Erfahrungsräumen wie der Wohnungssuche, dem Arbeitsmarkt, künstlerischen Betätigungsfelder oder den Erlebnissen bei der Grenzüberschreitung und Erfahrungen mit den Behörden. Aus dieser Übungseinheit sind die unten aufgeführten Texte entstanden. Sie finden sich im Film als Lauftext-Ebene.
Die prozessorientierte Form des Projektes gibt der heterogenen Gruppe (Ausbildungsstand) die Möglichkeit, zu gemeinsamen Ergebnissen zu kommen.
Es sollte an dieser Stelle kein Selektionsprozess durch eine zu starke Produktorientierung stattfinden. Die verschiedenen Erzählebenen des vorliegenden Endproduktes – eine Dokumentation des sich entwickelnden Arbeitsprozesses – liefern einen vielfältigen Zugriff auf das Thema: Suche, Steuerung und Orientierung in einer neuen Gesellschaft. Auch die Überforderung ist hierbei eine oft gemachte Erfahrung für die MigrantInnen. Das Nachspielen von kritischen Situationen in Form eines Wettbewerbs – das Quiz – ermöglicht eine spielerisch theatrale Umsetzung von realen Erfahrungen bei der Integration in eine neue Gesellschaft.
Die Stufen des im Quiz dargestellen Ablaufs bilden sich in folgender Weise:
Das Sprachengewirr lichtet sich, aus Fragmenten setzen sich Fragen zusammen. Die Fragen sind Bruchstücke aus dem Einbürgerungstest. Sie verwischen sich in dem Durcheinander der Stimmen. Das erste Spiel heißt: Wer ist der Boss? In der Abwesenheit einer Mitspielerin bestimmen die Spielenden einen Anführer, der ihre Bewegungen vormacht. Die hereinkommende Spielerin muss den Boss finden.
Ist der Boss erkannt, ist die nächste Spielstufe erreicht: Finde einen Platz!
Der gewonnene Platz muss anschließend verteidigt, möglichst vergrößert werden: Die Weltmeisterschaft im Stühle besitzen. Wenn der Platz etabliert ist, geht es auf die Suche nach den passenden Worten: Erinnere Dich – Memory – welche Paare gehören zusammen. Am Ende des Ablaufs bewegen sich die Spielenden zu den lauten Vorgaben eines Ansagers mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Die Spielenden finden ihren eigenen Rhythmus und unterlaufen die militärisch wirkenden Ansagen. Sie vereinigen sich in einem gemeinsamen „Nein“.
Auszug aus den Lauftexten:
Ich bin Ausländer. Ich bin Musiker. Ich habe drei Jahre ein Orchester gesucht. Vor einem halben Jahr habe ich ein Orchester gefunden. Das Orchester ist gut. Es hat 15 Musiker. Ich bin Schlagzeuger. Wir spielen Jazz-Musik. Jetzt habe ich viel Spaß aber kein Geld. Ich bin 2001 nach Deutschland gekommen. Ich habe Arbeit und Wohnung gesucht. Wohnung habe ich gefunden. Tut mir leid, Arbeit habe ich nicht gefunden. Meine Wohnung hat drei Zimmer und ist sehr gut. Mein Beruf ist Buchhalter. Ich suche viel Arbeit. Aber ich habe nichts gefunden. Ich habe Führerschein und ich kann als Fahrer arbeiten. Ich suche. Im Jahr 2000 bin ich zum ersten Mal in Deutschland angekommen. Dann habe ich eine Wohnung und ein Auto zum Mieten gesucht. Aber es war nicht einfach, weil ich die Wohnung und das Auto nur für 5 Monate brauchte, weil ich zur Arbeit hier war. Am Ende habe ich eine Wohnung gefunden. Aber das Auto durfte ich nicht die ganzen 5 Monate behalten, weil ich den Vertrag jede Woche neu machen musste. Aber es war OK für mich, weil ich eins brauchte. Ich hatte viel zu tun. Wir waren 21 Frauen. Jeden Monat sind 4 gekommen. Ich durfte vom Anfang bis zum Ende bleiben. Deswegen brauchte ich das Auto. Ich habe die anderen vom Flughafen abgeholt, die meisten von Frankfurt. Es war eine schöne Zeit. In diesen 5 Monaten habe ich viel über Deutschland und die Deutschen gelernt.
© 2011 ISK-Hannover
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